Walderlebniswoche mit heilpädagogischer Schule

Mehr Licht für Tanne, Auerhahn und Blindschleiche im Bräunlinger Gemeindewald
Schüler der heilpädagogischen Johanneschule aus der Schweiz erleben mit dem Umweltzentrum eine ereignisreiche Woche im Wald

Ungewohnte Töne im Bräunlinger Gemeindewald: Wo sich sonst Reh und Fuchs "Gute Nacht" sagen und die Maschinen der Waldarbeiter brummen, gab es 4 Tage lang Schweizerdeutsch und das Geräusch von Bügelsägen. Zum ersten Mal bot das Umweltzentrum in enger Zusammenarbeit mit Tom Ekert, Revierleiter in Bräunlingen und Michael Rüttiger, Wildbiologe des Umweltzentrums sowie mit Unterstützung des Naturparks Südschwarzwald und ForstBW eine Walderlebniswoche für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung an. Die Schüler der Johannes- Schule aus Küsnacht bei Zürich waren für eine Woche im Bräunlinger Wald unterwegs. Revierleiter Ekert erklärte den 13 Schülern und ihren Betreuern den Unterschied von Tanne und Fichte: „Die Fichte sticht, die Tanne nicht“, eine forstliche Weisheit, welche die jungen "Waldarbeiter" auch gleich in der Praxis ausprobierten.

Mit Astscheren bewaffnet ging es dann an die Arbeit im Wald. Mit großem Eifer entfernte die Gruppe, jeder nach seinen Möglichkeiten und immer im Team, Bäume und Büsche, um Lebensraum für lichtbedürftige Arten wie Auerhuhn und Reptilien zu schaffen. Schnell wuchsen die Reisighaufen und die Freude über das Geleistete war den Kindern und den Betreuern anzusehen.

Natürlich wurde nicht nur gearbeitet. Intensiv wurde der Lebensraum Wald und seine Bewohner erkundet. Auf einer kleinen Waldtour entdeckten die Kinder und ihre Betreuer versteckte Tiertafeln und Präparate. Das Reh, der Fuchs und der Hase, das kleine Wildschwein oder der Waldkauz. Bei jeder Entdeckung erzählte der Wildbiologe Michael Rüttiger eine kleine Geschichte zum jeweiligen Tier. Am Ende stehen alle um einen abgestorbenen Baum mit vielen Spechthöhlen. Unter der Rinde sind kleine Spinnen, Kriech-tiere und Raupen zu sehen, die dort ihren Lebensraum haben und auf den zweiten Blick gar nicht mehr so furchteinflößend sind. Besonders beeindruckt ist Miles vom Hirsch, Jannis ist begeistert vom weichen Biberfell. Auch das im Schwarzwald vom Aussterben bedrohte Auerhuhn beschäftigt die Kinder. Aus gesammelten Zapfen fertigen sie ein Mosaik an, das einen balzenden Auerhahn darstellt.

Gemeinsam wurde die höchste Weißtanne des Forstbezirks besucht und deren Alter und Größe erkundet.

In den Frühstückspausen genossen die Schüler die Ruhe im Wald, legten sich ins Waldmoos oder stellen dem Revierleiter und dem Wildbiologen Fragen. Am Abschlusstag besuchten die Schweizer Gäste das Waldmuseum im Bräunlingen mit seinen vielfältigen Exponaten. Bürgermeister Micha Bächle begrüßte die Schweizer Gäste. Interessiert ließ sich das Stadtoberhaupt von den Kindern ihre Erlebnisse schildern und bedankte sich im Namen der Gemeinde für die Waldarbeit.

Vor dem Abschluss der Klassenfahrt mit einem kleinen Grillfest wurde noch in einem letzten Arbeitseinsatz der Waldrand nahe des Museums ausgelichtet. Groß war die Freude der kleinen Helfer über die im freigelegten Lesesteinriegel gefundenen Blindschleichen und Ameisen. Überwog am Wochenbeginn noch die Scheu vor den Tieren des Waldes, traten jetzt alle Kinder den entdeckten Tieren mit Freude und ohne Bedenken gegenüber. Gesättigt von gegrillten Würstchen verabschieden sich die Schüler und das Waldteam nach einer intensiven Waldwoche voneinander.

„Wir sind alle sehr beeindruckt von den Kindern und der Arbeit der Betreuer, wie entspannt und liebevoll alle miteinander umgehen. Für uns war es eine sehr tolle und intensive Zeit und eine neue Erfahrung. Die Herzlichkeit und der entspannte Umgang miteinander haben uns sehr beeindruckt. Wir haben viel gelernt und es war uns eine große Freude jeden Einzelnen kennen zu lernen“ fasste Angie Manton, Hausleitung des Umweltzentrum SBN stellvertretend für das Team die Eindrücke der Gastgeber zusammen.

Das Umweltzentrum Schwarzwald Baar Neckar nimmt sich der nachhaltigen Umweltbildung von Erwachsenen, Kindern und Schülern in der Region an. Auch werden Unternehmen der Region und geflüchtete Menschen in Villingen-Schwenningen in den Umwelt- und Naturschutz eingebunden und informiert. Ein vielfältiges und aktuelles Angebot um der Natur durch eigenes Erleben und Schaffen einen Schritt näher zu sein. Über Kontaktaufnahme und auch über neue Herausforderungen freut sich der Trägerverein. Eine Kontaktaufnahme ist über die Homepage Umweltzentrum-sbn.org nur einen Klick entfernt.